Geräteprüfung nach DGUV V3: Pflicht, Fristen & Durchführung

3D-Animation einer Sichtprüfung im Rahmen der Geräteprüfung nach DGUV V3: Fachkraft Jens (gelbes Shirt) untersucht mit einer Lupe das defekte Anschlusskabel einer Kaffeemaschine, während Geschäftsführer Stefan (Anzug) zufrieden einen Daumen hoch gibt. Im Hintergrund ist ein Fluke Gerätetester zu sehen.
Veröffentlicht in   Prüfen, Uncategorized am 04/12/2024 von     Markus Kreuels ,
Für die beste Darstellung
bitte Gerät drehen.

Reales Szenario

Montagmorgen, 7:45 Uhr. Ein Mitarbeiter greift zum Verlängerungskabel — das Kabel ist gerissen, die Isolierung blank. Körperdurchströmung. Krankenhauseinweisung. Strafanzeige. Die Berufsgenossenschaft stellt im Nachgang fest: Das ortsveränderliche Betriebsmittel war seit 3 Jahren nicht geprüft. Die Haftpflicht verweigert die Zahlung. Der Geschäftsführer haftet persönlich. Ein vollständiges Prüfprotokoll hätte diese Situation verhindert.

Geräteprüfung nach DGUV V3: Was Arbeitgeber wirklich wissen müssen

Die Geräteprüfung nach DGUV V3 ist kein Papierkram. Sie ist die einzige Dokumentation, die Sie im Schadensfall vor persönlicher Haftung schützt — und die einzige Maßnahme, die einen Elektrounfall nachweislich verhindert, bevor er passiert. Wer prüft, wann, mit welchem Ergebnis: Das entscheidet im Ernstfall über Strafverfolgung oder Freispruch.

In diesem Beitrag erfahren Sie konkret: Was schreibt die DGUV V3 vor? Wer darf prüfen? Wie läuft eine Prüfung ab — und was müssen Arbeitgeber dokumentieren, damit der Schutz auch greift?

Was ist die Geräteprüfung nach DGUV V3?

Die DGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3) ist die Unfallverhütungsvorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für elektrische Anlagen und Betriebsmittel. Ihr Kernauftrag: Kein Mitarbeiter darf durch ein defektes oder ungeprüftes elektrisches Gerät zu Schaden kommen.

Die Geräteprüfung nach DGUV V3 erfasst alle ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel — also jedes Gerät mit Stecker, das man von A nach B tragen kann. Bohrmaschine, Kaffeemaschine, Laptop, Verlängerungskabel. Ortsfeste Anlagen wie Verteilerkästen und Schaltschränke fallen dagegen unter §5 DGUV V3 und werden nach DIN VDE 0105-100 geprüft — das ist ein separater Prüfbereich mit eigenen Anforderungen und Fristen.

Normen im Überblick

Neben der DGUV V3 sind zwei VDE-Normen maßgeblich: VDE 0701 regelt die Prüfung nach einer Reparatur. VDE 0702 (DIN EN 50699) regelt die laufende Wiederholungsprüfung. Die falsche Norm anzuwenden macht eine Prüfung rechtlich wertlos — der Unterschied muss im Prüfprotokoll erkennbar sein.

Warum die Geräteprüfung nach DGUV V3 für Arbeitgeber existenziell ist

Viele Betriebe behandeln die DGUV V3 wie eine Formalität. Bis etwas passiert. Die rechtlichen Konsequenzen bei Verstößen sind gravierend:

Bußgelder durch Berufsgenossenschaft oder staatliche Arbeitsschutzbehörden

Wegfall des Versicherungsschutzes: Wer die Prüfpflicht verletzt hat, sitzt im Schadensfall auf allen Kosten

Persönliche Haftung des Geschäftsführers — hier greift das Organisationsverschulden in der Elektrotechnik

Strafrechtliche Verfolgung bei fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung durch einen vermeidbaren Unfall

Rechtlicher Hinweis

Auch ein neu angeschafftes ortsveränderliches Betriebsmittel gilt normativ als ungeprüft und darf ohne Prüfung nach VDE 0702 nicht für den ersten Einsatz zugelassen werden — es sei denn, der Hersteller liefert ein Prüfprotokoll mit. Liegt kein Herstellerprotokoll vor, muss vor der ersten Verwendung eine Erstprüfung durch eine befähigte Person erfolgen. Danach greift die Wiederholungsprüfpflicht. Legen Sie die Intervalle schriftlich in Ihrer Gefährdungsbeurteilung Elektrotechnik fest.

Geräteprüfung nach DGUV V3: Wer darf prüfen — und wer nicht?

Die Prüfung darf ausschließlich eine befähigte Person im Sinne der DGUV Vorschrift 3 durchführen. Wichtig: Eine befähigte Person für die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel ist nicht automatisch jede Elektrofachkraft oder VEFK. Sie muss drei Voraussetzungen kumulativ erfüllen:

01Fachliche Grundqualifikation — z.B. als Elektrofachkraft

02Ergänzende Schulung speziell für die Prüfung ortsveränderlicher Betriebsmittel nach VDE 0701/0702

03Regelmäßige Prüfpraxis — wer nur alle vier Jahre ein oder zwei Geräte prüft, erfüllt das Kriterium der zeitnahen beruflichen Tätigkeit nicht

Praxis-Tipp von Markus

Der teuerste Teil der DGUV-V3-Prüfung ist die Zeit, nicht die Technik. Die Sichtprüfung frisst am meisten Stunden — und genau hier können Ihre eigenen Mitarbeiter legal mithelfen: Als elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) dürfen sie der befähigten Person bei der Sichtprüfung zuarbeiten. Das Ergebnis: schnellere Prüfung, deutlich niedrigere Kosten, echtes Sicherheitsbewusstsein im Team. Unser EuP Online-Kurs qualifiziert Ihre Mitarbeiter rechtssicher — ohne Reisekosten, ohne Ausfallzeiten.

So läuft die Geräteprüfung nach DGUV V3 in der Praxis ab

1. Sichtprüfung

Äußere Kontrolle: Risse im Gehäuse, beschädigte Kabel, lockere Steckverbindungen, fehlende Schutzabdeckungen. Dieser Schritt ist auch für EuP zulässig und sollte systematisch mit einer Betriebsanweisung unterstützt werden.

2. Funktionsprüfung

Das Gerät wird eingeschaltet: Funktion, Leistung, Schutzeinrichtungen. Entspricht das Gerät dem Sollzustand?

3. Messtechnische Prüfung

Hier kommt kalibriertes Messgerät zum Einsatz. Welche Messungen erforderlich sind, hängt von der Schutzklasse ab:

Schutzklasse Typische Geräte Schutzleiterwiderstand Isolationsmessung
SK I – geerdet Waschmaschine, Bohrmaschine, PC ✓ Pflicht ✓ Pflicht
SK II – doppelt isoliert Haartrockner, Elektrowerkzeug ✗ entfällt ✓ Pflicht
SK III – Schutzkleinspannung Bestimmte Leuchten, Spielzeug ✗ entfällt ✓ erhöhte Prüfspannung

Merke

Die Schutzleitermessung ist ausschließlich bei Geräten der Schutzklasse I Pflicht. Die Isolationsmessung ist bei allen Schutzklassen vorgeschrieben — mit unterschiedlichen Grenzwerten gemäß VDE 0701/0702.

Geräteprüfung nach DGUV V3: Prüffristen im Überblick

Es gibt keine starren gesetzlichen Fristen für alle Geräte — das ist die häufigste Fehlannahme. Die Intervalle ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung und hängen ab von Geräteart, Einsatzort, Nutzungsintensität und Alter. Orientierungswerte aus der Praxis:

Intervall Einsatzbereich Begründung
6 Monate Baustelle & Außeneinsatz Hohe Beanspruchung, Feuchtigkeit, Staub, häufiges Umsetzen
12 Monate Werkstatt & Produktion Elektrowerkzeuge, Maschinen in gewerblichen Werkstätten
24 Monate Büro & Verwaltung PC, Drucker, Kaffeemaschine unter normalen Bedingungen
Individuell Sonderbedingungen Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung festgelegt

Für Arbeitgeber entscheidend

Die Verantwortung für Intervall-Festlegung und Einhaltung liegt beim Arbeitgeber bzw. der VEFK. Im Schadensfall müssen Sie nachweisen, dass Intervalle sachgerecht begründet wurden. Ohne schriftliche Gefährdungsbeurteilung gibt es keine Verteidigung. Verankern Sie die Intervalle dort — lückenlos.

VDE 0701 und VDE 0702 — der Unterschied, der vor Gericht zählt

VDE 0701 — nach Reparatur

Greift nach einer Reparatur oder Instandsetzung. Das Gerät muss nach jedem Eingriff erneut geprüft werden, bevor es wieder in Betrieb geht.

VDE 0702 / DIN EN 50699 — Wiederholungsprüfung

Regelt die laufende Wiederholungsprüfung im Betrieb. Definiert Messverfahren, Prüfschritte und Grenzwerte für die DGUV-V3-Routineprüfung.

Die häufigsten Fehler bei der Geräteprüfung nach DGUV V3

Prüfung ohne nachgewiesene Qualifikation durchführen lassen

Kein Prüfprotokoll — oder eines, das wesentliche Angaben vermissen lässt

Prüffristen überschreiten ohne dokumentierte Begründung in der Gefährdungsbeurteilung

Mängel protokollieren, Gerät aber trotzdem weiterbetreiben

Falsche Norm anwenden — VDE 0701 ≠ VDE 0702, die Verwechslung macht die Prüfung rechtlich wertlos

Unkalibrierte Messgeräte verwenden — Messwerte sind vor Gericht anfechtbar

Mitarbeiter ohne EuP-Qualifikation eigenständig prüfen lassen

Geräteprüfung nach DGUV V3: Das Prüfprotokoll als einziger Schutz im Schadensfall

Geprüft aber nicht dokumentiert ist dasselbe wie nicht geprüft. Das Prüfprotokoll ist Ihr rechtlicher Nachweis — gegenüber Berufsgenossenschaft, Staatsanwaltschaft und Versicherung. Es muss enthalten:

Gerätedaten: Bezeichnung, Hersteller, Typ, Seriennummer, Baujahr

Prüfdatum und nächster Prüftermin

Angewandte Norm (VDE 0701 oder VDE 0702) — explizit benennen

Alle Messwerte mit Einheiten und Grenzwerten

Prüfergebnis: bestanden / nicht bestanden

Festgestellte Mängel — präzise beschrieben

Name, Qualifikation und Unterschrift der prüfenden Person

Prüfprotokoll-Tool nach VDE 0105-100

Alle Pflichtfelder bereits normkonform vorstrukturiert — digital ausfüllbar auf Tablet, sofort einsetzbar, rechtssicher. Sie sparen pro Prüfung 2–3 Stunden.

Prüfprotokoll-Tool ansehen →

Einmaliger Kauf · 39,95 € zzgl. MwSt. · Sofortdownload · 30 Tage Geld-zurück-Garantie

Weiterführende Artikel: DGUV V3 Prüfung · Gefährdungsbeurteilung Elektrotechnik · TRBS 1203 befähigte Person · Prüfprotokolle elektrische Anlagen · FI-Schutzschalter · Organisationsverschulden · Betriebsanweisung erstellen · 5 Sicherheitsregeln

Kostenloses Erstgespräch — 30 Minuten

Wissen Sie, welche Ihrer Geräte heute nicht geprüft sind? Als Elektromeister und VEFK mit über 30 Jahren Erfahrung sage ich Ihnen in 30 Minuten konkret, wo Ihr Betrieb steht — und was Sie tun müssen, um sicher und haftungsgeschützt zu sein. Kein Verkaufsgespräch. Nur klare Antworten.

Jetzt Termin buchen →

Häufige Fragen zur Geräteprüfung nach DGUV V3

Ist die Geräteprüfung nach DGUV V3 gesetzlich vorgeschrieben?
Ja — und zwar für jeden Betrieb, der Mitglied einer Berufsgenossenschaft ist. Das sind in Deutschland nahezu alle Unternehmen. Verstöße können Bußgelder, Versicherungsverlust und die persönliche Haftung des Geschäftsführers nach sich ziehen.
Wie oft muss die Geräteprüfung nach DGUV V3 durchgeführt werden?
Es gibt keine starren gesetzlichen Fristen. Die Intervalle legen Sie auf Basis Ihrer Gefährdungsbeurteilung fest. Richtwerte: Baustellen alle 6 Monate, Werkstätten alle 12 Monate, Bürogeräte alle 24 Monate. Die Festlegung muss schriftlich dokumentiert sein.
Dürfen eigene Mitarbeiter bei der Geräteprüfung nach DGUV V3 helfen?
Die messtechnische Prüfung darf nur eine befähigte Person durchführen. Als elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP) dürfen Mitarbeiter unter Aufsicht bei der Sichtprüfung mitwirken. Das spart erheblich Kosten und Zeit. Die Qualifikation dazu gibt es im EuP Online-Kurs.
Was muss ein Prüfprotokoll nach DGUV V3 enthalten?
Gerätedaten (Typ, Seriennummer, Baujahr), Prüfdatum, angewandte Norm, alle Messwerte mit Grenzwerten, Prüfergebnis, festgestellte Mängel und Unterschrift der prüfenden Person mit Qualifikationsnachweis. Fehlt eine Angabe, ist das Protokoll im Schadensfall angreifbar.
Was ist der Unterschied zwischen VDE 0701 und VDE 0702?
VDE 0701 gilt nach einer Reparatur oder Instandsetzung. VDE 0702 (DIN EN 50699) gilt für die laufende Wiederholungsprüfung im Betrieb. Die falsche Norm anzuwenden macht die gesamte Prüfung rechtlich wertlos — die angewandte Norm muss immer im Prüfprotokoll benannt sein.
Muss ein neues Gerät vor der ersten Benutzung geprüft werden?
Ja — auch ein nagelneues Gerät gilt normativ als ungeprüft und darf ohne Erstprüfung nicht eingesetzt werden. Ausnahme: Der Hersteller liefert ein vollständiges Prüfprotokoll mit. Liegt kein Herstellerprotokoll vor, muss vor der ersten Verwendung eine Erstprüfung durch eine befähigte Person erfolgen.

Haben Sie Erfahrungen mit der Geräteprüfung nach DGUV V3 gemacht — oder Fragen aus der Praxis? Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Jens - digitaler VEFK-Mentor von Kreuels Consulting
Jens erklaert Jens - digitaler VEFK-Mentor Neu hier? Hier erfahren Sie, wer ich bin

Kurz und verstaendlich erklaert - ganz ohne Normen-Kauderwelsch.

Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein neues Auto. Das kommt mit Plakette vom Haendler - aber nach zwei Jahren muessen Sie selbst zum TUeV. Genau so verhaelt es sich mit Ihren Elektrogeraeten im Betrieb. Alles mit Stecker, das sich von A nach B tragen laesst - Kaffeemaschine, Bohrmaschine, Verlaengerungskabel - braucht eine regelmaessige Pruefung. Und: Auch das nagelneue Geraet muss vor der ersten Benutzung geprueft sein, wenn kein Herstellerprotokoll beiliegt. Das wissen die wenigsten!

Wer darf pruefen? Nicht einfach der Elektriker im Haus - sondern nur eine befaehigte Person mit der richtigen Schulung und regelmaessiger Pruefpraxis. Das ist ein Unterschied, der im Schadensfall richtig teuer werden kann.

Kurzfassung: Regelmaessig pruefen lassen, befaehigte Person bestellen, Protokoll aufbewahren.

🛠️ Praktische Hilfe gefällig? In den Sicherheits-Tools finden Sie kostenlose Vorlagen und professionelle Dokumente – direkt einsetzbar in Ihrem Betrieb.

Hier noch weitere Beiträge die es sich zu lesen lohnt 

Grundlagen der Arbeitssicherheit

Fi-Schutzschalter Typen

Prüfen

TRBS 1203 befähigte Person: Wer darf Elektroprüfungen durchführen?


Über den Autor Markus Kreuels Elektromeister & VEFK · Kreuels Consulting, Ostrhauderfehn

Mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung als Elektromeister und verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) habe ich mich auf die Arbeitssicherheit in der Elektrotechnik spezialisiert. Mein Ziel ist es, durch fundiertes Fachwissen und praxisnahe Lösungen die Elektrosicherheit in Unternehmen nachhaltig zu verbessern – ich übersetze Normendeutsch in verständliche Handlungsanweisungen, die jeder Unternehmer sofort umsetzen kann.


Elektromeister seit 1991 Zertifizierte VEFK seit 2018 DGUV Vorschrift 3 BetrSichV / TRBS Gefährdungsbeurteilung Elektro-Arbeitssicherheit

{"email":"Ungültige E-Mail-Adresse"","urlUngültige Website-Adresse"","requiredFehlendes Pflichtfeld"}
>