VEFK Doppelfunktion: Was die DGUV wirklich fordert

Zwei Personen in einem Büro – Stefan zeigt auf eine überfüllte VEFK-Aufgabenliste, Bodo sitzt gestresst am Telefon. Illustration zur VEFK Doppelfunktion.
Veröffentlicht in   Uncategorized am 23/05/2026 von     Markus Kreuels ,
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Eine VEFK zu benennen, die gleichzeitig Produktionsleiter, Instandhaltungschef oder Einkäufer ist — das klingt nach einer pragmatischen Lösung. In der Praxis ist es häufig eine Haftungsfalle, die niemand offen ausspricht.

Ich erlebe es regelmäßig: Unternehmen suchen nach einer Möglichkeit, die Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 organisatorisch zu erfüllen — und landen dabei bei der internen Doppelfunktion. Jemand aus dem Betrieb bekommt die VEFK-Bestellung, trägt die Verantwortung für die elektrische Sicherheit — und macht nebenbei seinen eigentlichen Job weiter. Auf dem Papier ist die Stelle besetzt. In der Realität beginnen hier die Probleme.

In diesem Artikel übersetze ich für Sie, was DGUV, TRBS 1203 und das Arbeitsrecht konkret von einer VEFK fordern — und warum die VEFK Doppelfunktion diesen Anforderungen strukturell oft nicht gerecht werden kann.

Was die VEFK Doppelfunktion rechtlich bedeutet

Die Bestellung zur Verantwortlichen Elektrofachkraft ist keine Titelvergabe. Es handelt sich um eine Pflichtenübertragung im Sinne des §13 ArbSchG und der BGV A1. Wer zur VEFK bestellt wird, übernimmt damit delegierte Unternehmerpflichten — mit vollem rechtlichem Gewicht.

Das bedeutet konkret: Die VEFK ist gegenüber Behörden, Berufsgenossenschaft und im Schadensfall persönlich verantwortlich für die ordnungsgemäße Organisation der elektrotechnischen Sicherheit im Betrieb. Diese Verantwortung endet nicht, wenn das Tagesgeschäft ruft.

Rechtlicher Rahmen auf einen Blick:
§13 ArbSchG — Pflichtenübertragung auf Führungskräfte
BGV A1 §13 — Verantwortliche im Betrieb
DGUV Grundsatz 303-001 — Auswahl, Bestellung und Aufgaben der VEFK
TRBS 1203 — Anforderungen an befähigte Personen

Was der DGUV Grundsatz 303-001 wirklich fordert

Der DGUV Grundsatz 303-001 ist das zentrale Regelwerk für die VEFK. Er beschreibt nicht nur, wer als VEFK in Frage kommt, sondern auch unter welchen Bedingungen die Funktion wirksam ausgeübt werden kann. Drei Anforderungen stechen dabei heraus:

1. Fachliche Eignung: Die VEFK muss eine abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung sowie ausreichende Berufserfahrung mitbringen. Das ist in der Praxis bei internen Kandidaten oft erfüllt.

2. Zeitliche Kapazität: Die VEFK muss in der Lage sein, ihre Aufgaben tatsächlich wahrzunehmen. Dazu gehören die Gefährdungsbeurteilung, die Organisation von Prüfungen, die Unterweisung von Mitarbeitern und die laufende Überwachung. Wenn diese Aufgaben strukturell im Konflikt mit einer anderen Vollzeitstelle stehen, ist die zeitliche Kapazität nicht gegeben.

3. Weisungsbefugnis: Die VEFK benötigt die organisatorische Stellung, um Anordnungen zur elektrischen Sicherheit durchsetzen zu können — auch gegen Widerstände. Wer gleichzeitig in einer anderen Hierarchie eingebunden ist, kann hier in Interessenkonflikte geraten.

Aus der Praxis

Ein Instandhaltungsleiter wird zur VEFK bestellt. Er kennt die Anlagen, hat die Ausbildung — soweit passt es. Doch in der Produktion brennt täglich die Luft. Prüffristen laufen ab, weil kein Termin frei ist. Eine Unterweisung wird auf nächsten Monat verschoben. Dann passiert ein Unfall. Die Berufsgenossenschaft fragt nach der Gefährdungsbeurteilung, nach Prüfnachweisen, nach Unterweisungsdokumenten. Der Instandhaltungsleiter steht persönlich im Fokus — nicht als Instandhaltungsleiter, sondern als bestellte VEFK.

VEFK Doppelfunktion: Wo das Konstrukt in der Praxis scheitert

Das Problem ist kein theoretisches. Ich übersetze Normendeutsch in verständliche Handlungsanweisungen, die jeder versteht — und in der Praxis zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Die Doppelfunktion funktioniert so lange, bis etwas passiert.

Folgende Situationen machen das Konstrukt besonders anfällig:

Prüffristen werden nicht eingehalten, weil das operative Tagesgeschäft Priorität hat. Die Prüfpflichten nach VDE 0105 bleiben auf der Strecke.

Unterweisungen werden verschoben, weil weder Zeit noch Kapazität vorhanden sind — obwohl die Pflicht zur jährlichen elektrotechnischen Unterweisung klar geregelt ist.

Die Gefährdungsbeurteilung ist veraltet, weil niemand die Kapazität hatte, sie nach Anlagenänderungen zu aktualisieren.

Im Schadensfall prüft die Staatsanwaltschaft nicht, ob jemand „eigentlich keine Zeit hatte". Sie prüft, ob die Pflichten erfüllt wurden — und wer dafür verantwortlich war.

Wichtig zu verstehen: Die Bestellung zur VEFK reduziert nicht die Haftung des Unternehmers — sie ergänzt sie. Wenn die VEFK ihre Aufgaben nachweislich nicht erfüllen konnte, weil sie strukturell daran gehindert wurde, kann das Organisationsverschulden auf die Geschäftsführungsebene zurückfallen.

Wann eine externe oder freigestellte VEFK sinnvoller ist

Es gibt Betriebsgrößen und Konstellationen, in denen eine interne VEFK mit Doppelfunktion vertretbar ist — dann nämlich, wenn der elektrotechnische Anteil der Arbeit tatsächlich einen Großteil der Arbeitszeit ausmacht und die Zusatzaufgaben klar nachgeordnet sind.

In den meisten Fällen, die ich in der Beratung antreffe, ist es umgekehrt: Die VEFK-Funktion ist die Zusatzaufgabe — und wird entsprechend behandelt.

Alternativen, die ich für meine Klienten regelmäßig strukturiere:

Externe VEFK auf Vertragsbasis: Eine qualifizierte Fachkraft übernimmt die Funktion als externer Dienstleister, ohne in die betriebliche Hierarchie eingebunden zu sein. Weisungsunabhängig, zeitlich klar geregelt, dokumentiert.

Interne Freistellung: Eine interne Person wird anteilig oder vollständig für die VEFK-Tätigkeit freigestellt — mit klarer Stellenbeschreibung, Weisungsbefugnis und ausreichender Kapazität.

Begleitendes Unterstützungssystem: Eine interne VEFK wird durch externe Beratung entlastet — bei der Gefährdungsbeurteilung, der Dokumentation und der Organisation der Prüfprozesse.

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Häufige Fragen zur VEFK Doppelfunktion

Ist eine VEFK mit Doppelfunktion grundsätzlich verboten? +
Nein, ein ausdrückliches Verbot gibt es nicht. Der DGUV Grundsatz 303-001 fordert jedoch, dass die VEFK ihre Aufgaben tatsächlich wahrnehmen kann. Wenn das strukturell nicht möglich ist, ist die Bestellung faktisch wirkungslos — mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Wer haftet, wenn die VEFK ihre Aufgaben nicht erfüllen konnte? +
Das hängt vom Einzelfall ab. Wenn nachgewiesen werden kann, dass die VEFK durch ihre Doppelfunktion strukturell daran gehindert wurde, ihre Pflichten zu erfüllen, kann das Organisationsverschulden auf die Geschäftsführung zurückfallen. Eine sorgfältige Dokumentation ist in jedem Fall entscheidend.
Wie viel Zeit sollte eine VEFK für ihre Aufgaben einplanen? +
Das hängt von der Betriebsgröße, der Anlagenstruktur und dem Prüfumfang ab. Als grobe Orientierung: In einem mittelständischen Betrieb mit 50–200 Mitarbeitern und relevanter Elektroinfrastruktur sind 20–40 % einer Vollzeitstelle realistisch — dauerhaft, nicht nur in Prüfphasen.
Kann ich die VEFK-Aufgaben an einen externen Dienstleister übertragen? +
Ja. Die externe VEFK ist ein anerkanntes Konstrukt, das in vielen KMU praktikabel und rechtssicher umsetzbar ist. Wichtig dabei: Die Bestellung muss schriftlich erfolgen, Aufgaben und Weisungsbefugnisse müssen klar definiert sein, und die Zusammenarbeit muss dokumentiert werden.
Was passiert bei einer DGUV-Prüfung, wenn die Dokumentation fehlt? +
Fehlende oder lückenhafte Dokumentation ist eines der häufigsten Ergebnisse bei Betriebsprüfungen. Die Folgen reichen von Bußgeldern über Nachbesserungsauflagen bis hin zu persönlicher Haftung im Schadensfall. Ich empfehle, die Dokumentationsstruktur proaktiv aufzubauen — bevor eine Prüfung das erzwingt.

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Über den Autor Markus Kreuels Elektromeister & VEFK · Kreuels Consulting, Ostrhauderfehn

Mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung als Elektromeister und verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) habe ich mich auf die Arbeitssicherheit in der Elektrotechnik spezialisiert. Mein Ziel ist es, durch fundiertes Fachwissen und praxisnahe Lösungen die Elektrosicherheit in Unternehmen nachhaltig zu verbessern – ich übersetze Normendeutsch in verständliche Handlungsanweisungen, die jeder Unternehmer sofort umsetzen kann.


Elektromeister seit 1991 Zertifizierte VEFK seit 2018 DGUV Vorschrift 3 BetrSichV / TRBS Gefährdungsbeurteilung Elektro-Arbeitssicherheit

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