VEFK: Grundlagen, Aufgaben & Bestellurkunde erklärt

Geschäftsführer und VEFK sitzen am Tisch mit Bestellurkunde – Pixar 3D Illustration
Veröffentlicht in   Grundlagen der Arbeitssicherheit, Rechtliches am 29/06/2026 von     Markus Kreuels ,
Für die beste Darstellung
bitte Gerät drehen.

Die VEFK — die verantwortliche Elektrofachkraft — ist das Fundament der Elektrosicherheit in jedem Betrieb. Was eine rechtssichere Bestellung bedeutet, welche Aufgaben sie überträgt und was die Bestellurkunde zwingend enthalten muss, erkläre ich hier.

„Brauchen wir wirklich eine VEFK?" — Die Antwort kommt spätestens nach dem ersten Arbeitsunfall.

In Deutschland betreiben Tausende Unternehmen täglich elektrische Anlagen — ohne jemals eine Verantwortliche Elektrofachkraft schriftlich bestellt zu haben. Solange nichts passiert, fällt es niemandem auf. Danach suchen alle nach dem Verantwortlichen. Dieser Artikel zeigt Ihnen, was eine VEFK-Bestellung wirklich bedeutet, was sie enthält und warum sie kein Verwaltungsakt, sondern ein Schutzinstrument ist — für Ihre Mitarbeiter und für Sie persönlich.

Wer eine VEFK bestellen möchte — oder muss —, steht oft vor denselben Fragen: Welche Normen gelten überhaupt? Was muss in der Bestellurkunde stehen? Und welche Konsequenzen hat es, wenn die Bestellung fehlerhaft oder gar nicht vorhanden ist? Ich beantworte diese Fragen auf Basis meiner Arbeit als Elektromeister und zertifizierte VEFK — praxisnah, normgenau und ohne Fachjargon.

Was ist eine verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK)?

Die Verantwortliche Elektrofachkraft ist keine Berufsbezeichnung, kein Titel und keine Zertifizierung. Es ist eine Funktion — genau definiert durch die Norm DIN VDE 1000-10 „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen". Diese Norm existiert seit Mai 1995 und hat seither kontinuierlich an Bedeutung gewonnen, weil Gerichte und Berufsgenossenschaften zunehmend konkret fragen: Wer war für den Elektrobereich dieses Unternehmens verantwortlich — und wo ist das schriftlich geregelt?

Die VEFK übernimmt nach ihrer Bestellung in einem klar abgegrenzten Bereich die elektrotechnische Fachverantwortung. Sie wird schriftlich damit beauftragt, Unternehmerpflichten im Sinne des § 13 Abs. 2 ArbSchG wahrzunehmen — also Organisations-, Fürsorge-, Auswahl-, Aufsichts- und Kontrollpflichten sowie die Verpflichtung zur angemessenen Dokumentation. Damit ist die VEFK der verlängerte Arm des Unternehmers im Elektrobereich.

Parallel dazu verlangt die DIN VDE 0105-100 die Funktion des Anlagenbetreibers Elektrotechnik. In der betrieblichen Praxis übernimmt die VEFK häufig beide Rollen gleichzeitig — vorausgesetzt, die Bestellurkunde bildet das entsprechend ab.

Der Normenrahmen auf einen Blick

DIN VDE 1000-10 — Definition, Anforderungen und Aufgaben der VEFK

DIN VDE 0105-100 — Funktion des Anlagenbetreibers Elektrotechnik

DGUV Grundsatz 303-001 — Auswahl, Bestellung und Aufgaben der VEFK

§ 13 Abs. 2 ArbSchG — Rechtsgrundlage für die Pflichtenübertragung

DGUV Vorschrift 3 & 4 — Unfallverhütungsvorschriften elektrische Anlagen und Betriebsmittel (Überarbeitung zur BG-Regel 103-011 laufend)

Wann braucht ein Betrieb eine VEFK?

Die DIN VDE 1000-10 gibt die Antwort direkt: Eine VEFK ist einzurichten, wenn der Unternehmer die verantwortliche Leitung seines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils nicht selbst übernehmen kann oder will. Das klingt nach einem Ermessensspielraum — ist es aber nicht. In der Praxis bedeutet „kann nicht", dass die Geschäftsführung keine ausgebildete Elektrofachkraft ist. Das trifft auf die überwiegende Mehrheit aller Unternehmen zu, die elektrische Anlagen betreiben.

Kurzum: Jedes Unternehmen, das elektrische Anlagen plant, errichtet, betreibt oder instand hält, ohne dass die Unternehmensführung selbst die elektrotechnische Fachkompetenz besitzt, braucht eine VEFK. Der DGUV Grundsatz 303-001 formuliert es so: Alle Unternehmen, die elektrotechnische Einrichtungen planen, errichten, betreiben oder instand halten, „sind gut beraten, wenn sie eine Verantwortliche Elektrofachkraft bestellen."

Aus meiner Beratungspraxis

Ein Metallverarbeitungsbetrieb mit 80 Mitarbeitern. Pressen, Schweißanlagen, Druckluftsteuerungen — alles elektrisch. Die Geschäftsführerin ist Dipl.-Kauffrau. Die technische Verantwortung liegt „irgendwie" beim Instandhaltungsleiter. Eine schriftliche VEFK-Bestellung gibt es nicht. Als bei einer Routinewartung ein Mitarbeiter einen Stromschlag erleidet, fragt die Berufsgenossenschaft als erstes: Wer ist die verantwortliche Elektrofachkraft in diesem Betrieb? Welche Gefährdungsbeurteilungen existieren? Welche Prüfnachweise liegen vor?

Die Antwort auf diese Fragen entscheidet darüber, ob es bei einem Bußgeld bleibt — oder ob die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Elektrosicherheit als Führungsaufgabe begreifen

Das wesentliche Ziel einer funktionierenden VEFK-Organisation ist die Sicherheit von Mensch, Tier und Sachwerten im Umgang mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln — neben der Sicherstellung der Anlagenverfügbarkeit. Elektrosicherheit ist dabei kein technisches Nischenthema, sondern integraler Bestandteil der Arbeitssicherheit insgesamt.

Die VEFK setzt das um, indem sie Regelwerke sinnhaft anwendet, Gefährdungsbeurteilungen mit gesundem Menschenverstand durchführt und eng mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit zusammenarbeitet. Sie ist nicht dazu da, Paragrafen abzuhaken — sie ist dazu da, dass niemand an einer Anlage zu Schaden kommt.

Unternehmer und VEFK sind dabei kein Gegensatz, sondern ein Team. Der Unternehmer gibt die Richtung vor und stellt die Ressourcen bereit. Die VEFK übernimmt die fachliche Führung des Elektrobereichs. Beide müssen kooperativ und vertrauensvoll zusammenarbeiten — das verlangt die Norm, und das erfordert die Praxis.

Die drei Pflichtvoraussetzungen im Überblick

Der DGUV Grundsatz 303-001 definiert drei Voraussetzungen, die eine Person gleichzeitig erfüllen muss, um wirksam als VEFK tätig sein zu können. In der Praxis wird die dritte am häufigsten unterschätzt.

① Fachliche Eignung

Abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung plus ausreichende Berufspraxis im geplanten Bestellbereich. Ohne diese Grundlage ist die Bestellung rechtlich angreifbar — die VEFK kann sich nicht auf Unwissen berufen, sie muss die elektrotechnischen Zusammenhänge in ihrem Bereich tatsächlich beurteilen können.

② Zeitliche Kapazität

Die VEFK muss in der Lage sein, ihre Aufgaben tatsächlich wahrzunehmen. Das bedeutet konkret: Prüffristen überwachen, Unterweisungen organisieren, Gefährdungsbeurteilungen aktuell halten, Fremdfirmeneinsätze koordinieren. Wer das neben einer anderen Vollzeitstelle erledigen soll, ist strukturell überfordert — mit allen Haftungskonsequenzen für den Unternehmer.

③ Fachliche Weisungsfreiheit

Die VEFK darf hinsichtlich der Erstellung und Einhaltung elektrotechnischer Sicherheitsfestlegungen ausschließlich Weisungen einer übergeordneten VEFK erhalten — nicht vom Abteilungsleiter, nicht vom Produktionsplaner, nicht vom Geschäftsführer. Wer als VEFK gegen fachfremde Anweisungen keine Handhabe hat, kann seine Funktion nicht wirksam ausüben. Und dann schützt die Bestellung niemanden.

Wichtig zu verstehen

Die Weisungsfreiheit muss in der Praxis gelebt werden — nicht nur auf dem Papier stehen. Wenn die VEFK im Betrieb täglich fachliche Anweisungen von Personen ohne elektrotechnische Kompetenz erhält und befolgt, ist die Bestellung faktisch wirkungslos. Im Schadensfall prüft die Berufsgenossenschaft beides: die Dokumentation und die gelebte Organisationsrealität.

VEFK-Aufgaben: Was der Bestellbereich wirklich umfasst

Die konkreten Aufgaben einer VEFK sind von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich — sie hängen von der Anlagenstruktur, der Mitarbeiterzahl im Elektrobereich und dem Betriebszweck ab. Eines gilt immer: Der Tätigkeitsbereich muss in der Bestellurkunde hinreichend genau beschrieben sein. Eine pauschale Formulierung wie „verantwortlich für den Elektrobereich" reicht nicht aus.

In der Regel umfasst der Aufgabenbereich einer VEFK folgende Kernbereiche:

Aufgabenfeld Was die VEFK konkret tut
Aufbauorganisation Aufbau und Pflege der fachlichen Führungsstruktur; schriftliche Pflichtenübertragungen an EFKs, elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) und Schaltberechtigte
Anlagenbetrieb Planung, Errichtung, Betrieb, Instandhaltung und Änderung elektrischer Anlagen; Durchführungserlaubnisse, Arbeitsfreigaben, Zutrittsregelungen für Betriebsstätten
Prüfpflichten Organisation und Überwachung von Erst- und Wiederholungsprüfungen nach VDE 0105-100; Einhaltung der Prüffristen nach DGUV Vorschrift 3
Gefährdungsbeurteilung Erstellung, Pflege und Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung für elektrische Gefährdungen nach BetrSichV und ArbSchG
Qualifizierung Aufbau und Erhalt der Qualifikation aller im Elektrobereich tätigen Personen (EFK, EuP, Schaltberechtigte, befähigte Personen für Prüfungen); Organisation von Unterweisungen
Fremdfirmen Koordination und Kontrolle externer Dienstleister; Prüfung der Qualifikationsnachweise und Sicherstellung der 5 Sicherheitsregeln
Dokumentation Führen der technischen Betriebsdokumentation, Prüfnachweise, Betriebsanweisungen, Schaltpläne und Anlageninventare
PSA & Regelwerke Organisation der persönlichen Schutzausrüstung und Arbeitskleidung; koordinierte Bereitstellung der relevanten Normen und VDE-Vorschriften

Ein oder mehrere? So viel Führungsstruktur braucht Ihr Elektrobereich

Die Antwort hängt von der Unternehmensgröße, der Betriebsstruktur und dem Ausmaß der elektrischen Gefährdungen ab. Je höher die eingesetzten Spannungsebenen, je größer die Anlagenkomplexität und je mehr Personen im Elektrobereich tätig sind, desto mehr Führungsstruktur braucht der Bereich.

In größeren Unternehmen oder bei mehreren Standorten können VEFKs für räumliche Regionen, für bestimmte Unternehmensbereiche oder thematisch — etwa ausschließlich für Erst- und Wiederholungsprüfungen — bestellt werden. Das Gesamtsystem koordiniert dann in der Regel eine gesamtverantwortliche Elektrofachkraft oder ein Elektrosicherheitskoordinator.

Für kleine und mittelständische Betriebe gilt: Eine sorgfältig bestellte VEFK mit klarem Bestellbereich ist besser als drei halbherzig organisierte — solange die Kapazität und die Weisungsfreiheit stimmen.

VEFK bestellen: Was die Bestellurkunde zwingend enthalten muss

Die Bestellung der VEFK ist eine echte Unternehmerpflichtenübertragung — sie muss zwingend schriftlich erfolgen. Ein mündlicher Auftrag, eine E-Mail oder ein Eintrag in der Stellenbeschreibung genügen nicht. Was ich in der Praxis immer wieder sehe: Bestellungen, die auf einer halben Seite die wichtigsten Regelungspunkte weglassen. Das hat reale Konsequenzen: Eine lückenhafte Bestellung überträgt die Verantwortung nicht wirksam — und die Haftung verbleibt beim Unternehmer.

Eine normkonforme Bestellurkunde enthält mindestens diese Punkte:

Pflichtinhalte der VEFK-Bestellurkunde (nach DIN VDE 1000-10 & DGUV Grundsatz 303-001)

1. Genaue Bezeichnung des Bestellbereichs — welche Anlagen, welche Standorte, welche Betriebsteile sind erfasst? Nicht „der gesamte Elektrobereich", sondern präzise.

2. Konkrete Aufgabenbeschreibung — was die VEFK zu tun hat, betriebsspezifisch und vollständig. Pauschalformulierungen sind rechtlich wertlos.

3. Befugnisse und Weisungsregelung — wer darf der VEFK fachlich Weisung erteilen, wer ausdrücklich nicht. Die Formulierung „fachlich weisungsfrei" muss klar und unmissverständlich enthalten sein.

4. Ressourcenzusicherung — welche Mittel, welche Zeit und welche Unterstützung stellt das Unternehmen zur Verfügung, damit die VEFK ihre Aufgaben tatsächlich erfüllen kann.

5. Qualifikationsnachweis — Bestätigung, dass die bestellte Person die fachlichen Voraussetzungen nach DIN VDE 1000-10 erfüllt.

6. Vertreterregelung — wer übernimmt die Funktion im Abwesenheitsfall, mit welchen Befugnissen und in welchem Umfang.

Ich habe eine VEFK-Bestellurkunde Premium entwickelt, die alle diese Pflichtpunkte vollständig abdeckt — normkonform nach DIN VDE 1000-10 und DGUV Grundsatz 303-001, praxiserprobt, sofort einsetzbar und BG-begehungssicher. Sie füllen die betriebsspezifischen Felder aus — den normativen Rahmen liefere ich.

Bestellurkunde noch nicht rechtssicher aufgestellt?

Meine VEFK-Bestellurkunde Premium wurde speziell für Betriebe entwickelt, die auf der sicheren Seite sein wollen — mit vollständiger Aufgabenbeschreibung, Weisungsregelung, Ressourcenzusicherung und Vertreterregelung. Normkonform. Sofort einsetzbar. BG-begehungssicher.

Jetzt informieren →

Zwei Blickwinkel auf dieselbe Aufgabe

In meiner Beratungspraxis erlebe ich dieses Muster regelmäßig: Unternehmer und VEFK stellen sich derselben Aufgabe — der rechtssicheren Organisation des Elektrobereichs — aber mit grundlegend unterschiedlichem Blickwinkel.

Der Unternehmer denkt in Kosten und Nutzen: Was kostet eine VEFK? Was bringt mir das? Welche Mindestanforderungen muss ich erfüllen? Die VEFK hingegen denkt in Haftung und Vertretbarkeit: Was bin ich verantwortlich? Reichen meine Befugnisse, um meine Aufgaben zu erfüllen? Welche Dokumentation brauche ich für den Ernstfall?

Beide Perspektiven sind legitim — und beide müssen in der Bestellurkunde ihren Niederschlag finden. Es lässt sich keine belastbare VEFK-Organisation aufbauen, wenn diese Fragen nicht offen diskutiert und geklärt wurden. Wer diesen Prozess überspringt, baut auf Sand.

Was ich in der Beratung erlebe

Ein Unternehmer fragt mich: „Muss ich meiner VEFK wirklich so weitgehende Befugnisse einräumen?" Meine Antwort: Ja — und zwar nicht aus normativer Überzeugung, sondern aus Ihrem eigenen Interesse. Eine VEFK ohne Durchsetzungsbefugnis kann keine Sicherheit gewährleisten. Und wenn sie keine Sicherheit gewährleisten kann, landen Sie im Schadensfall auf der Anklagebank — nicht Ihre VEFK. Die Weisungsfreiheit der VEFK schützt in erster Linie den Unternehmer.

Ihre Bestellurkunde auf den Prüfstand stellen — kostenfreies Erstgespräch

Die vorgestellten Grundlagen decken nicht alle Fragen einer vollständigen, individuellen Beratung ab. Jeder Betrieb ist anders — andere Anlagenstruktur, andere Mitarbeiterzahl, andere Gefährdungssituation. Was in einem Metallbetrieb gilt, muss im Lebensmittelwerk oder im Krankenhaus anders umgesetzt werden.

Ich schaue mir Ihre Situation in einem kostenfreien Erstgespräch an und sage Ihnen direkt, wo Ihre VEFK-Organisation steht — ohne Verkaufsdruck, mit konkretem Ergebnis.

Jetzt Erstgespräch vereinbaren →

Häufige Fragen zur VEFK-Bestellung

Was bedeutet die Garantenstellung der VEFK — und warum ist das der unterschätzte Kern der Bestellung?
Garantenstellung ist ein strafrechtlicher Begriff — er bedeutet, dass nicht nur aktives Handeln strafbar sein kann, sondern auch das Unterlassen gebotener Maßnahmen. Wer zur VEFK bestellt ist, trägt diese Garantenstellung. Konkret: Nimmt die VEFK einen Beinahe-Unfall, eine bekannte Gefährdung oder einen Normverstoß wahr und handelt nicht, kann dieses Nichtstun strafrechtlich verfolgt werden. Das ist der Grund, warum eine VEFK ohne ausreichende Ressourcen und echte Weisungsbefugnis nicht nur unwirksam ist — sie ist für die bestellte Person persönlich gefährlich.
Was unterscheidet die VEFK von einer normalen Elektrofachkraft (EFK)?
Die EFK ist verantwortlich für die fachgerechte Ausführung elektrotechnischer Arbeiten in ihrem direkten Tätigkeitsbereich. Die VEFK geht darüber hinaus: Sie übernimmt durch schriftliche Bestellung die Organisations-, Aufsichts- und Leitungsverantwortung für einen definierten Elektrobereich — und damit delegierte Unternehmerpflichten. Vereinfacht: Die EFK führt aus, die VEFK führt. In vielen Betrieben ist beides in einer Person vereint — das ist zulässig, erfordert aber doppelte Kapazität und muss in der Bestellurkunde klar abgebildet sein.
Muss die VEFK ein festangestellter Mitarbeiter sein?
Nein. Gerade für kleine und mittelständische Betriebe ohne eigene Elektrofachkraft ist die externe VEFK ein rechtlich anerkanntes und oft wirtschaftlich sinnvolleres Modell als der Aufbau einer internen Stelle. Entscheidend ist nicht der Anstellungstyp, sondern die Qualität der Bestellurkunde: Aufgaben, Befugnisse, Weisungsregelung und Vertreterregelung müssen auch bei externer Bestellung vollständig und präzise geregelt sein.
Warum reicht eine mündliche Beauftragung oder ein Eintrag in der Stellenbeschreibung nicht aus?
Weil weder Mündlichkeit noch Stellenbeschreibungen im Schadens- oder Haftungsfall die Anforderungen des § 9 OWiG erfüllen, der für eine wirksame Pflichtenübertragung eine eindeutige, nachweisbare Zuweisung von Unternehmerpflichten voraussetzt. Im Ernstfall prüft die Staatsanwaltschaft, ob die Verantwortung tatsächlich übertragen wurde — oder ob sie beim Unternehmer verblieben ist. Eine Stellenbeschreibung beantwortet diese Frage nicht. Eine vollständige, unterzeichnete Bestellurkunde schon.
Ab wann braucht mein Betrieb eine VEFK — gibt es eine Betriebsgröße als Grenze?
Eine Mitarbeiterzahl oder Umsatzgrenze als Pflichtgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist ausschließlich, ob elektrische Anlagen betrieben werden und ob die Unternehmensführung selbst die elektrotechnische Fachkompetenz besitzt. Beides trifft auf die große Mehrheit aller Betriebe mit Maschinen, Schaltanlagen oder Prüfeinrichtungen zu — vom Handwerksbetrieb bis zum Industrieunternehmen. Wer die Frage stellt „Brauchen wir das wirklich?", betreibt in aller Regel bereits elektrische Anlagen, für die die Antwort Ja lautet.
Was passiert bei einer BG-Begehung, wenn keine VEFK-Bestellung vorliegt?
Die Berufsgenossenschaft prüft bei Begehungen regelmäßig, ob eine VEFK bestellt ist und ob die Bestellung normkonform ist. Fehlt sie oder ist sie inhaltlich lückenhaft, wird das als Organisationsmangel festgestellt — mit Auflagen zur Nachbesserung. Im Schadensfall ohne Bestellung fällt das Organisationsverschulden klar auf den Unternehmer zurück — unabhängig davon, ob intern jemand „zuständig war".
Was bedeutet fachliche Weisungsfreiheit — und wo endet sie?
Fachliche Weisungsfreiheit bedeutet: In elektrotechnischen Sicherheitsfragen ist die VEFK ausschließlich einer übergeordneten VEFK weisungsgebunden — nicht dem Geschäftsführer, nicht dem Produktionsleiter. Sie endet dort, wo es um disziplinarische oder kaufmännische Entscheidungen geht: Diese bleiben in der betrieblichen Hierarchie. Dieser Unterschied ist in der Praxis oft unklar — und der häufigste Grund, warum Bestellungen im Schadensfall nicht greifen.
Welche Qualifikation muss eine VEFK nachweisen können?
Die DIN VDE 1000-10 verlangt eine abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung — als Meister, staatlich geprüfter Techniker, Ingenieur oder Bachelor im Fachbereich Elektrotechnik — verbunden mit ausreichender Berufspraxis im geplanten Bestellbereich und kontinuierlicher Weiterbildung. Ich selbst bin seit 1991 Elektromeister und seit 2018 zertifizierte VEFK. Was die Norm über Fachkenntnisse hinaus explizit fordert: persönliche Reife und betriebliche Akzeptanz — die VEFK muss durchsetzungsfähig sein, nicht nur kompetent.
Wie oft muss die Bestellurkunde überprüft und aktualisiert werden?
Immer dann, wenn sich etwas im Bestellbereich ändert: neue Anlagen, neue Standorte, neue Mitarbeiterstruktur, Normänderungen oder Wechsel der bestellten Person. Die Bestellurkunde ist kein einmaliges Dokument — sie ist ein lebendes Instrument der Betriebsorganisation. Als Praxisregel empfehle ich eine formale Überprüfung mindestens alle zwei Jahre sowie nach jedem sicherheitsrelevanten Vorfall im Elektrobereich.
Kann die VEFK persönlich zivilrechtlich haftbar gemacht werden — auch gegenüber Dritten?
Ja — und das ist ein Punkt, den viele bei der Bestellung unterschätzen. Die VEFK haftet nicht nur intern gegenüber dem Unternehmen, sondern kann bei schuldhafter Pflichtverletzung auch von geschädigten Dritten zivilrechtlich in Anspruch genommen werden. Das gilt insbesondere dann, wenn nachgewiesen wird, dass die VEFK eine Gefährdung kannte oder kennen musste und keine geeigneten Maßnahmen ergriffen hat. Umso wichtiger ist es, dass Aufgaben, Befugnisse und Ressourcen in der Bestellurkunde so klar geregelt sind, dass die VEFK tatsächlich handeln konnte.

Haben Sie Fragen zur VEFK-Bestellung in Ihrem Betrieb oder eigene Erfahrungen mit der VEFK-Organisation? Ich freue mich über Ihre Perspektive in den Kommentaren.

Jens – VEFK-Mentor bei Kreuels Consulting

Jens erklärt

Jens – Ihr VEFK-Mentor

Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Haus — und beauftragen einen Bauleiter, der zwar auf dem Papier für alles zuständig ist, aber kein eigenes Budget hat, keine Handwerker einweisen darf und jede Entscheidung erst beim Auftraggeber absegnen lassen muss. Würden Sie sagen, dieser Bauleiter ist verantwortlich?

Genau so funktioniert eine VEFK-Bestellung, die auf dem Papier vollständig wirkt, aber die notwendigen Befugnisse und Ressourcen nicht überträgt. Der Name steht in der Urkunde. Die Verantwortung liegt trotzdem noch beim Unternehmer — weil die VEFK faktisch keine Handhabe hatte.

Eine wirksame Bestellung gibt der VEFK nicht nur einen Auftrag — sie gibt ihr Werkzeug, Spielraum und Rückendeckung. Erst dann kann sie schützen, was sie schützen soll. Werkzeuge, die dabei helfen →


Über den Autor Markus Kreuels Elektromeister & VEFK · Kreuels Consulting, Ostrhauderfehn

Mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung als Elektromeister und verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) habe ich mich auf die Arbeitssicherheit in der Elektrotechnik spezialisiert. Mein Ziel ist es, durch fundiertes Fachwissen und praxisnahe Lösungen die Elektrosicherheit in Unternehmen nachhaltig zu verbessern – ich übersetze Normendeutsch in verständliche Handlungsanweisungen, die jeder Unternehmer sofort umsetzen kann.


Elektromeister seit 1991 Zertifizierte VEFK seit 2018 DGUV Vorschrift 3 BetrSichV / TRBS Gefährdungsbeurteilung Elektro-Arbeitssicherheit

{"email":"Ungültige E-Mail-Adresse"","urlUngültige Website-Adresse"","requiredFehlendes Pflichtfeld"}
>